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Torf & Blumenerde Statistiken (2026): 50+ Datenpunkte zu Torfanteil, Torfausstieg in DE/AT und Torfersatzstoffen

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Einleitung

Torfhaltige Blumenerde für Hobbygärten bestand 2025 in Deutschland im Schnitt zu 43 % aus Torf – nach 38 % im Jahr davor (Destatis, Torfstatistik 2025). Gleichzeitig stieg der Absatz torffreier Blumenerde um 84 % auf knapp 2,0 Mio. m³ (Destatis, Torfstatistik 2025). Österreich importiert jährlich über 100.000 t Torf, überwiegend für den Gartenbau, und hat für den Hobbybereich keine eigene Ausstiegsfrist (BML, Moorstrategie Österreich 2030+, 2022). Wir haben Daten des Statistischen Bundesamts, des Industrieverbands Garten, des deutschen Landwirtschaftsministeriums, der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe, des Thünen-Instituts und der österreichischen Moorstrategie sowie Dutzenden weiteren Primärquellen zusammengetragen, um diesen Bericht zu erstellen. Die Zahlen sind gerade jetzt relevant, weil 2026 das Jahr ist, in dem Hobbyerden in Deutschland laut Strategie torffrei sein sollten – und die amtliche Statistik für das letzte erfasste Jahr ein gespaltenes Bild zeigt.

Torf & Blumenerde Statistiken (2026): 50+ Datenpunkte zu Torfanteil, Torfausstieg in DE/AT und Torfersatzstoffen
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Wichtigste Erkenntnisse

  • Der Torfanteil in torfhaltiger Hobby-Blumenerde stieg in Deutschland von 38 % (2024) auf 43 % (2025) (Destatis, Torfstatistik 2025).
  • Der Absatz torffreier Blumenerde wuchs 2025 um 84 % auf knapp 2,0 Mio. m³ (Destatis, Torfstatistik 2025).
  • Rechnerisch war damit rund jede vierte Hobbyerde-Einheit 2024 torffrei, 2025 bereits rund 40 % (eigene Berechnung aus Destatis, Torfstatistik 2024 und 2025).
  • Laut Branchenstatistik liegt der Torfanteil in deutschen Consumer-Erden seit 2024 unverändert bei 33 % – nach 61 % im Jahr 2019 (IVG/GGS, Absatzstatistik 2025; IVG via Stadt und Grün 2024).
  • Die deutsche Substratindustrie verarbeitete 2025 4,3 Mio. m³ Torf, nach 4,7 Mio. m³ im Vorjahr (IVG/GGS, Absatzstatistik 2025).
  • Im Erwerbsgartenbau sind nur 6 % der Substrate torffrei – unverändert gegenüber dem Vorjahr (IVG/GGS, Absatzstatistik 2025).
  • Ziel der deutschen Torfminderungsstrategie: komplett torffreie Hobbyerden bis 2026, weitgehender Ersatz im Erwerbsgartenbau bis 2030 (FNR, Statustagung Torfminderung 2025).
  • Österreich importiert über 100.000 t Torf pro Jahr und hat nur noch rund 30.000 ha intakte Moore (BML, Moorstrategie Österreich 2030+).
  • Im letzten großen österreichischen Marktcheck enthielten 60 % von 290 Blumenerden Torf (Greenpeace Österreich, Marktcheck Blumenerde 2022).
  • Entwässerte Moore verursachen in Deutschland rund 53 Mio. t CO₂-Äquivalente pro Jahr – über 7 % der Gesamtemissionen (DEHSt, Moore 2020).
  • Nur 44 % der deutschen Erdenkäufer wissen um die negative Klimawirkung torfhaltiger Erde (FNR, Verbraucherumfrage 2025).

Welche Erden im eigenen Sortiment ganz ohne Torf auskommen, zeigt Garten Jünger im Beitrag Warum torffreie Erde besser ist.

1. Torfanteil in Blumenerde: was die amtliche Torfstatistik zeigt

Seit Dezember 2025 gibt es in Deutschland erstmals eine amtliche Statistik zum Inlandsabsatz von Blumenerden und Kultursubstraten; rund 120 Erhebungseinheiten melden dafür (Destatis, Torfstatistik 2025). Sie erfasst auch importierte Ware, aber keine Exporte.

1.1 Hobby-Blumenerde: mehr Torf pro Sack, aber weniger Säcke mit Torf

Die Schlagzeile „Torfanteil gestiegen” stimmt – aber nur für den Teil des Marktes, der überhaupt noch Torf enthält. Der torffreie Teil des Hobbymarkts hat sich innerhalb eines Jahres fast verdoppelt, während die Menge an beigemischtem Torf um rund 0,1 Mio. m³ sank. Der Markt spaltet sich also: Torffreie Erden wachsen, und die verbleibenden torfhaltigen Produkte werden wieder torfreicher. Für 2026 heißt das: Das Ziel „torffrei” ist verfehlt, die Richtung aber nicht umgekehrt.

KennzahlWertQuelle
Torfanteil in torfhaltiger Hobby-Blumenerde 2023 → 2024 → 202547 % → 38 % → 43 %Destatis, PM Nr. 429 (2025); Destatis, Torfstatistik 2025
Hobby-Blumenerde gesamt 2024, davon torfhaltig4,6 Mio. m³, davon 77 % (2023: 78 % von 4,5 Mio. m³)Destatis, PM Nr. 429 (2025)
Torfhaltige Hobby-Blumenerde 20253,0 Mio. m³Destatis, Torfstatistik 2025
In Hobby-Blumenerde beigemischter Torf 2023 → 2024 → 20251,7 → 1,4 → 1,3 Mio. m³ (2024: −18,4 %)Destatis, PM Nr. 429 (2025); Destatis, Torfstatistik 2025
Absatz torffreier Hobby-Blumenerde 2024 → 20251,1 → knapp 2,0 Mio. m³ (+84 %)Destatis, Torfstatistik 2025
Rechnerischer Anteil torffreier Erde am Hobbymarkt 2024 → 2025rund 23 % → rund 40 %Eigene Berechnung aus Destatis (2,0 ÷ [3,0 + 2,0])
Ausreißer: Bezogen auf den gesamten Hobbymarkt (torfhaltig und torffrei) sank der Torfanteil 2025 rechnerisch von rund 30 % auf rund 26 % (eigene Berechnung: 1,4 ÷ 4,6 bzw. 1,3 ÷ 5,0 Mio. m³) – genau gegenläufig zur Schlagzeile der Pressemitteilung.

Quelle: Statistisches Bundesamt – Mehr Torf in torfhaltigen Blumenerden und Kultursubstraten im Jahr 2025

1.2 Kultursubstrate im Erwerbsgartenbau: der Profimarkt stagniert

Im professionellen Gartenbau fehlt die Gegenbewegung, die den Hobbymarkt prägt. Torffreie Kultursubstrate verloren 2025 sogar 2,3 % Absatz, während der Torfanteil der torfhaltigen Substrate von 63 % auf 67 % stieg. Für das Ziel „weitgehender Ersatz bis 2030″ ist das der problematischere der beiden Befunde, weil Profisubstrate ohnehin von einem doppelt so hohen Torfniveau starten.

KennzahlWertQuelle
Kultursubstrate gesamt 2024, davon torfhaltig2,6 Mio. m³, davon 84 % (2023: 80 %)Destatis, PM Nr. 429 (2025)
Torfanteil torfhaltiger Kultursubstrate 2023 → 2024 → 202572 % → 63 % → 67 %Destatis, PM Nr. 429 (2025); Destatis, Torfstatistik 2025
Torfhaltige Kultursubstrate / darin enthaltener Torf 2024 → 20252,2 / 1,4 → 1,9 / 1,3 Mio. m³ (Torf 2023: 1,5 Mio. m³)Destatis, PM Nr. 429 (2025); Destatis, Torfstatistik 2025
Absatz torffreier Kultursubstrate 2025420.000 m³ (−2,3 %)Destatis, Torfstatistik 2025

Quelle: Statistisches Bundesamt – Weniger Torf in Blumenerden und Kultursubstraten im Jahr 2024 (PM Nr. 429)

2. Die Branchensicht: 7,9 Millionen Kubikmeter Erde und 4,3 Millionen Kubikmeter Torf

Die Erdenindustrie zählt anders als das Statistische Bundesamt: Sie erfasst die Produktion ihrer Mitglieder einschließlich Export, aber ohne Importware. Ihr Consumer-Torfanteil von 33 % hat sich zwischen 2024 und 2025 nicht mehr bewegt – nach einem Rückgang um 28 Prozentpunkte seit 2019. Der Verband selbst spricht von einer Torfreduktion am Limit und verweist auf fehlende Rinde und knappen Qualitätskompost. Die Kurve flacht also genau in dem Jahr ab, in dem sie die Null erreichen sollte.

KennzahlWertQuelle
Abgesetzte Substrate und Erden aus deutscher Produktion 20257,9 Mio. m³IVG/GGS, Absatzstatistik 2025
Davon Consumer-Blumenerden / Profisubstrate (jeweils Inland / Export)5,0 Mio. m³ (4,1 / 0,9) / gut 3 Mio. m³ (1,7 / 1,2)IVG/GGS, Absatzstatistik 2025
Ausgangsstoffe 2025: Torf / andere organische / mineralische4,3 (2024: 4,7) / 4,4 / 0,3 Mio. m³IVG/GGS, Absatzstatistik 2025
Torfanteil Consumer-Erden Deutschland 2019 → 2022 → 2023 → 2024 → 202561 % → 43 % → 41 % → 33 % → 33 %IVG via Stadt und Grün 2024; IVG 2025; IVG 2025; IVG/GGS 2026
Anteil torffreier Erden am Consumer-Markt 2024 → 202523 % → 30 %IVG 2025; IVG/GGS, Absatzstatistik 2025
Torfanteil Profisubstrate Inland / torffreie Profisubstrate 202561 % / 6 %IVG/GGS, Absatzstatistik 2025
Widerspruch zwischen den Quellen – Torfanteil in Hobbyerde 2024:
  • Destatis: 38 % – bezogen nur auf torfhaltige Erden, Inlandsabsatz inklusive Importe.
  • IVG/GGS: 33 % – bezogen auf alle Consumer-Erden aus deutscher Produktion, ohne Importe.
  • BMLEH: andere Ausgangsstoffe als Torf „bis zu 41 %” – das würde rechnerisch einen Torfanteil von mindestens 59 % bedeuten und passt zu keiner der beiden Statistiken. Der Wert 41 % entspricht dem IVG-Torfanteil von 2023; eine Verwechslung liegt nahe, ist aber nicht belegt.
Wir weisen alle drei Werte aus, statt sie aufzulösen. Ebenso liegt der torffreie Marktanteil 2025 bei 30 % (IVG) bzw. rechnerisch rund 40 % (Destatis) – die Differenz erklärt sich vor allem durch die Importware, die nur Destatis erfasst.

Wer sich im Regal zwischen torfreduziert und torffrei entscheiden muss, findet bei Garten Jünger eine Übersicht zur Universalblumenerde mit Angaben zur Zusammensetzung.

Quelle: Industrieverband Garten / Gütegemeinschaft Substrate für Pflanzen – Pressemitteilung Absatzstatistik 2025 (PDF)

3. Torfausstieg 2026: Fristen in Deutschland, Absichten in Österreich

Der zentrale Unterschied zwischen beiden Ländern liegt nicht in den Zahlen, sondern in der Verbindlichkeit. Deutschland hat eine konkrete Jahreszahl für den Hobbybereich, die allerdings auf freiwilligen Verzicht der Branche setzt; Österreich formuliert eine Richtung ohne Frist. Ein gesetzliches Torfverbot existiert in keinem der beiden Länder, und die Erdenindustrie hält ein solches nach eigener Aussage auch nicht für juristisch darstellbar (IVG, Torf in Gartenerden 2025). Dass das Ziel 2026 trotzdem nicht folgenlos bleibt, zeigen die Modellbetriebe: Wo Umstellung begleitet wird, gelingt sie überwiegend.

KennzahlWertQuelle
Zieljahr torffreie Hobbyerden Deutschland2026FNR, Statustagung Torfminderung 2025
Zieljahr weitgehender Torfersatz im Erwerbsgartenbau Deutschland2030FNR, Statustagung Torfminderung 2025
Grundlage der deutschen Strategiefreiwilliger Verzicht aller Beteiligten, kein VerbotBMLEH, Torfverwendung reduzieren (2026)
Modellbetriebe im Zierpflanzenbau mit max. 50 Vol.-% Torf (Projekt TerZ, Stand 10/2021)22 von 24BMLEH, Torfverwendung reduzieren (2026)
Kommunen in Deutschland, die keine torfhaltigen Erden mehr verwenden46 %FNR, Umfrage Torfnutzung in Kommunen 2023
Kommunen mit Torfreduktion als Beschaffungskriteriumrund 50 %FNR, Umfrage Torfnutzung in Kommunen 2023
Österreich: Branchenziel Torfanteil in Produktionserden bis 203050 % (Bundesverband der Österreichischen Gärtner)BML, Moorstrategie Österreich 2030+
Ausreißer: Die österreichische Moorstrategie nennt den Torf nur als einen von sechs Schwerpunkten – Reduktion von heimischem Abbau und Import sowie mehr torffreie Produkte im Gartenbau –, ohne Jahreszahl für Hobbyerden. Das einzige quantifizierte Ziel stammt von der Gärtnerbranche selbst und liegt mit 50 % Torf im Jahr 2030 über dem Wert, den deutsche Consumer-Erden schon heute unterschreiten.

Quelle: Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat – Torfverwendung reduzieren, Klima schützen

4. Torf in Österreich: Importe, Moore und das Regal

Österreich baut kaum eigenen Torf ab und ist deshalb fast vollständig auf Importe angewiesen. Eine amtliche Absatzstatistik wie in Deutschland fehlt; die Lage muss aus Strategiepapieren, Handelsdaten und Marktchecks zusammengesetzt werden.

4.1 Importe und Moorflächen

Die Torfnachfrage in Österreich verlagert die Umweltkosten über die Grenze. Knapp die Hälfte des importierten Gartenbautorfs stammt aus Deutschland, ein weiteres gutes Drittel aus dem Baltikum – also aus genau den Mooren, deren Abbau Deutschland selbst zurückfahren will. Im Inland ist die Moorfläche bereits auf einen Rest geschrumpft.

KennzahlWertQuelle
Torfimporte Österreich pro Jahrüber 100.000 t, vor allem für den GartenbauBML, Moorstrategie Österreich 2030+ (2022)
Torfimporte Gartenbau 2020, Herkunft120.000 t; rund 45 % aus Deutschland, 35 % aus dem BaltikumGreenpeace Österreich, Marktcheck 2022
Intakte Moore in Österreichrund 30.000 haBML, Moorstrategie Österreich 2030+
Entwässerte, land- und forstwirtschaftlich genutzte Torfbödenmindestens 40.000-50.000 haBML, Moorstrategie Österreich 2030+
Streuwiesen-Fläche 1960 → 201624.242 → 5.701 ha (−77 %)BML, Moorstrategie Österreich 2030+
Methodische Einschränkung: Die Importzahlen stammen aus 2020 bzw. aus der Moorstrategie von 2022 und sind die aktuellsten verfügbaren Daten. Eine aktuelle Auswertung der Außenhandelsstatistik von Statistik Austria für die Warennummer Torf (HS 2703) lag uns nicht im Volltext vor.

Quelle: Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft – Moorstrategie Österreich 2030+ (PDF, Nachdruck 2024)

4.2 Was im österreichischen Regal steht

Die Kennzeichnung ist in Österreich das eigentliche Problem, nicht das Angebot. Auch Bio-Erden enthielten im VKI-Test Torf – 2 von 8 Bio-Produkten, weil „Bio” bei Kultursubstraten rechtlich nicht definiert ist. Verlässlich torffrei ist nur das Umweltzeichen UZ 32, das Torf vollständig ausschließt.

KennzahlWertQuelle
Geprüfte Blumenerden / davon torfhaltig290 / 60 %Greenpeace Österreich, Marktcheck Blumenerde 2022
Maximaler Torfanteil in als „torfreduziert” beworbenen Erdenbis zu 70 %Greenpeace Österreich, Marktcheck Blumenerde 2022
Torffreie Erden im VKI-Test 201911 von 19VKI, Test Blumenerde 2019
Bio-Erden mit Torf im VKI-Test 20202 von 8VKI, Test Blumenerde 2020
Unterfüllte Säcke im VKI-Test 202014 von 16VKI, Test Blumenerde 2020
Torfanforderung Umweltzeichen UZ 32 (Version 8, gültig ab 1.1.2024)Torf generell ausgeschlossenÖsterreichisches Umweltzeichen, Richtlinie UZ 32 (2024)
Methodische Einschränkung: Marktcheck und VKI-Tests stammen aus 2019 bis 2022 und sind die aktuellsten verfügbaren Daten. Eine Erhebung nach Ablauf der deutschen Hobby-Frist 2026 gibt es für Österreich bislang nicht.

Für Beete und Hochbeete führt Garten Jünger eigene Sortimente an Gartenerde und Kräuter-, Obst- & Gemüse-Erde, bei denen sich der Blick auf die Deklaration nach diesen Zahlen lohnt.

Quelle: Greenpeace Österreich – Marktcheck: Blumenerde unter der Lupe

5. Torfersatzstoffe: Kompost, Holzfaser und die knappe Rinde

Torf wird in Deutschland vor allem durch Grünkompost und Holzfasern ersetzt; Rinde spielt mengenmäßig eine kleinere Rolle, ist aber knapp. Grünkompost allein deckt mit rund 1,53 Mio. m³ pro Jahr mehr Volumen ab als alle anderen Ersatzstoffe zusammen. Die Abhängigkeit verschiebt sich dadurch vom Moor zur Forstwirtschaft und zur Bioabfallsammlung: Sägewerke, die wegen Käferholz und Nachfragerückgang drosseln, liefern weniger Rinde für Rindenhumus und Rindenmulch.

KennzahlWertQuelle
Grünkompost in der Substratherstellungca. 1.530.000 m³ pro JahrBMLEH, Torfverwendung reduzieren (2026)
Holzfaser/Holzca. 887.000 m³ pro JahrBMLEH, Torfverwendung reduzieren (2026)
Rindenhumusca. 270.000 m³ pro JahrBMLEH, Torfverwendung reduzieren (2026)
Kokosprodukte / mineralische Stoffe (Perlite, Ton, Blähton)ca. 130.000 / 191.000 m³ pro JahrBMLEH, Torfverwendung reduzieren (2026)
Häufigste Torfersatzstoffe in Kommunen: Grünkompost / Rindenhumus / Holzfaser66 % / 57 % / 35 %FNR, Umfrage Torfnutzung in Kommunen 2023
Deutsche Sägewerke mit Produktionskürzungen (Rindenengpass 2023)95 % der Einschnittkapazität betroffenIVG/GGS via Motorist, August 2023
Mindestanteil Rindenhumus in „Rindenkultursubstrat” (Zweikomponenten-Mischung)50 % (v/v)IVG, Substratbuch: Rindenhumus
Ausreißer: Rindenmulch und Rindenhumus sind nicht dasselbe. Nur fermentierte Rinde (Rindenhumus) eignet sich als Substratbestandteil; unfermentierter Rindenmulch bleibt Bodenabdeckung. Warum Rindenmulch im Beet auch Nachteile hat, haben wir bei Garten Jünger im Beitrag Rindenmulch im Garten: Nachteile zusammengefasst.

Quelle: BMLEH – Alternative Ausgangsstoffe für die Substratherstellung

6. Torf, Moore und Klima: die Größenordnungen

Torf aus Blumenerde ist ein kleiner, aber sichtbarer Teil eines großen Emissionsblocks. Entwässerte Moore emittieren in Deutschland je nach Rechnung 25- bis 50-mal so viel CO₂-Äquivalente wie Torfabbau und Torfnutzung im Gartenbau (eigene Berechnung: 53 ÷ 2,1 bzw. 53 ÷ 1 Mio. t). Daraus folgt nicht, dass Torf in der Erde egal ist – jeder abgebaute Kubikmeter setzt eine trockengelegte Abbaufläche voraus -, aber es erklärt, warum die Erdenindustrie auf Moorwiedervernässung statt Erdenregulierung verweist.

KennzahlWertQuelle
Moorfläche Deutschland / davon entwässertca. 1,86 Mio. ha (rund 5 % der Landfläche) / über 90 %DEHSt, Moore (Daten 2020)
Emissionen entwässerter Moore Deutschland 2020ca. 53 Mio. t CO₂-Äq. (über 7 % der Gesamtemissionen)DEHSt, Moore (Daten 2020)
Emissionen aus Torfabbau und -nutzung im Gartenbau 2018über 2,1 Mio. t CO₂-Äq.Thünen-Institut, Substitution von Torf in Kultursubstraten
Emissionen aus Torfabbau und -nutzung 2023 (Branchenrechnung)rund 1 Mio. t CO₂-Äq.IVG, Emissionen aus der Torfnutzung (2025)
Torfabbaufläche Deutschlandunter 8.000 haBMLEH, Torfverwendung reduzieren (2026)
Torfabbau aus deutschen Lagerstätten 2005 → 2019ca. 8 → 4,7 Mio. m³BMLEH, Torfverwendung reduzieren (2026)
Importierter Torf für die deutsche Substratproduktion 2023ca. 3 Mio. m³ (rund 50 % des Torfeinsatzes)IVG, Emissionen aus der Torfnutzung (2025)
Voraussichtliche Erschöpfung inländischer Torfvorräteum 2040Thünen-Institut, Substitution von Torf in Kultursubstraten
Widersprüche zwischen den Quellen:
  • Emissionen der Torfnutzung: Thünen-Institut über 2,1 Mio. t (2018), IVG rund 1 Mio. t (2023). Neben fünf Jahren Abstand rechnet der IVG mit den gesunkenen Torfanteilen – beide Werte stehen hier nebeneinander.
  • Moorfläche: DEHSt rund 1,86 Mio. ha, Thünen-Institut rund 1,4 Mio. ha. Die Abweichung geht auf unterschiedliche Abgrenzungen organischer Böden zurück.
  • Inlandsabbau: BMLEH nennt 4,7 Mio. m³ für 2019, das Thünen-Institut 3,8 Mio. m³ für 2018.

Quelle: Deutsche Emissionshandelsstelle (DEHSt) im Umweltbundesamt – Moore

7. Was Hobbygärtner über Torf wissen

Der Torfausstieg im Hobbybereich entscheidet sich an der Kasse, und dort ist das Wissen noch lückenhaft. Jeder vierte Erdenkäufer in Deutschland hält Torf weiterhin für einen nachwachsenden Rohstoff. Die wichtigsten Vorbehalte gegen torffreie Erde betreffen Trauermücken, Fremdstoffe und Wuchs.

KennzahlWertQuelle
Erdenkäufer, die Torf als fossilen Rohstoff einordnen / als nachwachsend50 % / 26 %FNR, Verbraucherumfrage 2025 (n = 1.024)
Kennen die negative Klimawirkung torfhaltiger Erde44 %FNR, Verbraucherumfrage 2025
Halten torffreie Erde für wichtig für den Klimaschutz57 %FNR, Verbraucherumfrage 2025
Genannte Probleme mit Torfersatz: Schädlinge / Verunreinigungen / schlechtes Wachstum54 % / 50 % / 48 %FNR, Verbraucherumfrage 2025
Kommunale Grünflächenämter, die Torf als fossil einstufen73 %FNR, Umfrage Torfnutzung in Kommunen 2023
Methodische Einschränkung: Die Verbraucherumfrage ist eine Befragung von 1.024 Personen ab 16 Jahren, die mindestens einmal jährlich Blumen- oder Pflanzenerde kaufen; die Werte sind Selbstauskünfte.

Quelle: FNR-Verbraucherumfrage: Bewusstsein für torffreies Gärtnern wächst

Torf & Blumenerde in Zahlen: Zusammenfassungstabelle

KennzahlWertQuelle
Torfanteil torfhaltiger Hobby-Blumenerde DE 2023 / 2024 / 202547 % / 38 % / 43 %Destatis, Torfstatistik
Absatz torffreier Hobby-Blumenerde DE 2025knapp 2,0 Mio. m³ (+84 %)Destatis, Torfstatistik 2025
Torf in Hobby-Blumenerde DE 20251,3 Mio. m³Destatis, Torfstatistik 2025
Rechnerischer Anteil torffreier Erde am Hobbymarkt DE 2025rund 40 %Eigene Berechnung aus Destatis
Torfanteil torfhaltiger Kultursubstrate DE 202567 %Destatis, Torfstatistik 2025
Torffreie Kultursubstrate DE 2025420.000 m³ (−2,3 %)Destatis, Torfstatistik 2025
Torfanteil Consumer-Erden (Branche) 2019 / 202561 % / 33 %IVG; IVG/GGS 2026
Torfeinsatz Substratproduktion DE 20254,3 Mio. m³ (2024: 4,7)IVG/GGS, Absatzstatistik 2025
Torffreie Erden am Consumer- / Profimarkt 202530 % / 6 %IVG/GGS, Absatzstatistik 2025
Zieljahr torffreie Hobbyerden DE2026FNR, Statustagung 2025
Kommunen DE ohne torfhaltige Erden46 %FNR, Kommunenumfrage 2023
Torfimporte Österreichüber 100.000 t pro JahrBML, Moorstrategie 2030+
Intakte Moore Österreichrund 30.000 haBML, Moorstrategie 2030+
Torfhaltige Blumenerden im AT-Marktcheck60 % von 290Greenpeace Österreich 2022
Branchenziel Torfanteil Produktionserden AT 203050 %BML, Moorstrategie 2030+
Grünkompost in der Substratherstellung DEca. 1,53 Mio. m³ pro JahrBMLEH 2026
Emissionen entwässerter Moore DEca. 53 Mio. t CO₂-Äq. (über 7 %)DEHSt, Daten 2020
Emissionen der Torfnutzung DE 2018 / 2023über 2,1 / rund 1 Mio. t CO₂-Äq.Thünen-Institut; IVG 2025
Erdenkäufer, die Torf für nachwachsend halten26 %FNR, Verbraucherumfrage 2025

Methodik und Quellen

Für diesen Bericht wurden amtliche Statistiken, Strategiepapiere von Ministerien, Verbandsstatistiken mit offengelegter Erhebungsgrundlage, Forschungsberichte und Verbrauchertests als Primärquellen herangezogen; Sekundärberichte dienten nur zum Auffinden der Originale und wurden dort zitiert, wo das Original nicht erreichbar war. Widersprüche zwischen amtlicher und Branchenstatistik sind im Text benannt statt aufgelöst, eigene Berechnungen sind als solche gekennzeichnet, und Daten, die älter als drei Jahre sind, sind als aktuellste verfügbare Daten ausgewiesen.

Zuletzt aktualisiert: Oktober 2026

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